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Brüssel

Im April 2007 flogen wir nach Brüssel. Wir sind deshalb in Brüssel gelandet, weil wir eine Städtereise machen wollten und Brüssel mit Abstand die preisgünstigste Alternative war. Ziemlich niedere Bewegumstände so zu sagen. Andererseits hatte ich den Verdacht, dass Brüssel mehr sein müsste, als nur EU-Verwaltungsgebäude, Blechkugeln und ein Rathaus.

Um es gleich vorweg zu nehmen, es war perfekt. Die relative Bedeutungslosigkeit der Stadt - wenn wir mal man von den EU-Bürokraten absehen - macht die Menschen dort sympatisch und unprätentiös. Eine quirlige Mischung aus Wallonen und französisch sprechenden Marrokanern auf der einen Seite und dagegen nordisch kühl wirkenden Flamen auf der anderen Seite, bevölkert die Stadt. Dazwischen tummeln sich allerlei internationale Gäste, die kurz- oder langfristig in Brüssel leben. Die Mischung ist so bunt, dass es hier kaum jemanden gelingen würde, künstlich aufzufallen. Deshalb versucht es wohl auch keiner und alle Menschen, die einem begegnen, sind wunderbar natürlich, wenn auch charakteristisch.

Durch die Stadt ziehen sich meherere unsichtbare Grenzen. Von der Altstadt aus in den Süden wird es marrokanisch, in den Westen wallonisch. Die edleren Viertel im Osten sind flämisch. Das führt dazu, dass der Tourist um den Gare du Midi am besten mit Französisch oder Arabisch weiterkommt. In der Altstadt und im Westen ist Französisch und Englisch eine Möglichkeit, in den flämischen Gebieten wiederrum Holländisch und Englisch. Die Flamen verstehen können nicht alle Französisch und selbst wenn, ist es eine Frage, ob sie wollen. Das gleiche gilt vice versa.

Architektonisch ist Brüssel eine echte Fundgrube. Dadurch, dass die Stadt nie zerstört wurde, zieht sich ein heterogenes Band an Stilen und Stilmixen von der Romanik bis in die Gegenward. Stark vertreten ist natürlich der Klassizismus und der Jugendstil, da gerade zu dieser Zeit die belgischen Könige ihre Hauptstadt herausgeputzt haben. Viel erinnert an Frankreich, so z. B. die Kirchen. Andererseits hat der deutsche Klassizismus und Gründerzeitstil oft Pate gestanden. In den flämischen Vierteln sind natürlich holländische Einflüsse unübersehbar. Roter Klinker, weiß getünchte Fassaden, Treppengiebel usw.

Gastronomisch ist die Stadt ein Knaller. So viele verschiedene Gruppen wie sich in der Stadt tummeln, so vielfältig ist auch das kulinarische Angebot. Französisch von Bistro bis Haute Cuisine, marrokanisch, ägyptisch, holländisch und die üblichen internationalen Einsprengsel. Ein absolutes Muss sind dabei folgende Stationen: Gare du Midi. Hier gibt es eine vielzahl marrokanischer Bistros, die tolle Baguettes machen. Dazu gibt es die berühmten belgischen Pommes Frites. Die sind doppelt fritiert und die wirklich besten Fritten, die es gibt. Als Absacker danach empfiehlt sich unbedingt ein aus schwarzen Tee und frischer Minze gebrühter Tee in einem benachbarten Salon du Thé.

Belgisches Bier ist noch besser als sein Ruf. Eigentlich sind alle Sorten ein Treffer. Hoegarden ist ein obergäriges Bier, das selbst ich als Verächter von Berliner Weiße und anderem Sauerkram gerne getrunken habe. Hierzu bieten sich unzählige kleinere Kneipen mit zum Teil sehr ansprechender experimeteller Küche an. Die Preise sind übrigens moderat bis normal. Allerdings haben wir nie in der Nähe des Grande Place gegessen.

Und nicht vergessen, belgische Waffeln. Extrem gut. Standort, überall.

Fazit, Brüssel bietet alles. Selbst für Shopper finden sich die reinsten Abgründe, auch wenn diese nicht unbedingt am Grande Place liegen.

Einen weiteren Vorteil hat Brüssel noch. Als Heimkehrer werden einem keine Fragen gestellt. Brüssel? Äh, ja. Es wird vermutet, dass das so sein muss wie Städteurlaub in Bochum.